Interview #1: Silke – Duftberaterin

Silke Kamchen Duftberaterin testet einen Duft aus der Berliner Duftmanufakrur Frau Tonis

Silke Kamchen Duftberaterin testet einen Duft aus der Berliner Duftmanufakrur Frau Tonis

Etwas besonderes, an einem ach so besonderen Tag. Heute am Valentinstag sind die wohl meist übergebenen Genschenke Blumen, Schokolade, Schmuck … und Parfum. Mit der Welt der Düfte habe ich mich in letzter Zeit intensiver beschäftigt. Dabei bin ich auf den Beruf der Duftberaterin gestoßen. Auf der Suche nach einem Herrenduft mit einer ganz bestimmten würzig, frischen Note in der riesigen Duftabteilung des KaDeWe bin ich auf Silke gestoßen. Ihr kennt sie sicher aus unserer Monday’s Makeup Reihe. Nicht nur schminken kann sie fabelhaft, sondern sie kennt sich auch aus in der weiten Duftwelt. Über ihre heimliche Leidenschaft habe ich sie im folgenden Interview ausgefragt.

Wann hast du deine Liebe zu Düften entdeckt – gab es ein Schlüsselereigniss?
So lange ich mich erinnern kann, habe ich einen besonderen Bezug zu Düften – egal welchen Ursprungs und welcher Nuancen – gehabt. Als kleines Mädchen hat mich eine Oma durch ihren Garten geführt um mir den Duft der einzelnen Blumen näher zu bringen – bewusst zu machen. Das ist wohl mein „Schlüsselerlebnis“. Angefangen hat es in der Natur mit dem Duft der Blumen. Ein Ereignis bzw. Erlebnis, von dem ich heute noch erzähle, ist auch die Entdeckung eines Setzkasten mit Factisen (Miniaturausgaben von Düften) bei einer Verwandten … Damals dachte ich was für ein Kitsch – heute hätte ich so einen Kasten nur zu gerne.

Wie kommt man zu dem Beruf der Duftberaterin?
Für mich war es ein Prozess: Seit 2009 arbeite ich im Beauty bzw. Makeup-Bereich als Freelancer. Viele Makeup-Hersteller haben mittlerweile eigene Parfums in ihrem Sortiment. Langsam und eher aus persönlichem Interesse habe ich mich an den Bereich herangetastet, da ich wie gesagt, schon immer eine Bezug zu Düften hatte. Nach und nach bekam ich Anfragen für Duftberatungen. Ab 2014 habe ich dann im KaDeWe und den Galeries Lafayette Berlin für Jean Patou gearbeitet. Die Welt der Parfums hat mich mehr und mehr in ihren Bann gezogen.

Was ist dein Aufgabengebiet? Wie läuft eine Duftberatung ab? Wer kommt zu dir in die Duftberatung? Männer oder Frauen?
Meine Hauptaufgabe liegt – wie der Name es schon sagt – bei der Beratung. Den Einstieg bilden die Begrüßung und Ansprache des Kunden. Ich biete meine Unterstützung an, wenn der Kunde unentschlossen oder auf der Suche nach einem bestimmten Duft ist. Im Kundengespräch versuche ich mir über die Düfte, die der Kunde schon besitzt, ein Bild vom Geschmack und der „Duftrichtung“, in die es gehen soll, zu machen. Dann kommt der gemeinsame Gang durch die Regal: Ich schlage ca. drei Düfte vor, die sich ähnlich sind, aber unterschiedliche Nuancen aufweisen. So tastet man sich Stück für Stück vor, bis zum passenden Duft. Selbstverständlich suche ich firmenübergreifend – ich möchte den perfekten Duft für meinen Kunden finden unabhängig von Marken und Labels … Es wird niemand breitgequatscht. Vor allem bei den teureren Nischendüften, die eine Investition sind, soll der Kunde zufrieden und eins mit seinem Duft sein – er soll sich wohlfühlen. Das Der-ist-es-Erlebnis muss man als Beraterin beim Kunden fühlen. Der ein oder andere wirft mir hier vielleicht Umsatzschwäche vor, aber meine Kunden kommen wieder, werden zu Stammkunden, es entwickelt sich eine Vertrauensbasis. Das ist mir persönlich wichtiger als kurzfristiger Umsatz.
Zum Thema wer meine Beratung braucht bzw. wer in die Duftberatung kommt: Eher Frauen, wobei um die Feiertage herum auch Männer … 70% Frauen – auf der Suche nach einem Duft für sich selbst.

Deine größte Herausforderung als Duftberaterin?
In den Galeries Lafayette kam eine Kundin mit einem Stück Seife von ihrem Mann zu mir. Ihr Wunsch: Ein entsprechender Duft – dieser musste es sein, denn nur diese Duftnote „erträgt“ ihr Mann. Die Wahl viel schließlich auf „Duc de Vervins“ aus dem Haus Houbigant. Das ist mir in Erinnerung geblieben – weil es Spaß macht, auf die Jagd nach einem Duft zu gehen.

Große Marken oder kleine Manufakturen – was bevorzugst du selbst?
Oh, das hat sich mit den Jahren sehr verändert. Mit 17 Jahren war mein Lieblingsduft GUCCI „envy me“. Noch vor zwei Jahren habe ich mir einen großen Flakon gekauft (und einen kleinen für die Handtasche). Jetzt macht das Parfum mich nicht mehr an. Erinnerungen an früher verbinde ich mit diesem Duft, ja, aber ich kann ihn nicht mehr tragen auch wenn andere „envy me“ mit mir verbinden. So lange habe ich ihn geliebt und getragen. Heute – mit der intensiven Auseinandersetzung mit Düften in den letzten … eineinhalb Jahren … habe ich die Vorteile von exklusiven Düften – Düfte, die nicht jeder trägt – für mich schätzen gelernt. Da sind zum einen Parfums, deren Zusammensetzung seit Jahren – teils seit über 100 Jahren – unverändert geblieben sind. Mich fasziniert der Gedanke in verschiedene Epochen „zu schnuppern“. Diese Oldies sind auch heute noch von hoher Quältet und Beständigkeit – trotz der Schnelllebigkeit, kann man sie jahrelang tragen. Sie sind gerade keine Modeerscheinungen. Bei solchen Düften passiert es mir auch öfter, dass die Enkel DEN Duft der Oma riechen möchten. Zum anderen gibt es viele kleine gute Manufakturen in Deutschland, die tolle, kreative, beständige neue Düfte in die Welt gesetzt haben. Einzelstücke für Genießer.

Was ist dein liebster Duft und zu welchen Gelegenheiten trägst du ihn?
In meinem Salon Püppikram in Berlin biete ich meinen Kunden die Möglichkeit die Düfte der Berliner Duftmanufaktur FRAU TONIS zu testen. Aus dem umfassenden Sortiment von FRAU TONIS habe ich vier Düfte ausgewählt, darunter die No 88 BAHIA.
Silke geht zu den Düften um ihren geliebten BAHIA aufzutragen.
In diesen Duft habe ich mich verliebt. Ich trage ihn ständig und zu allen Gelegenheiten. Er hat etwas Geheimnisvolles, Warmes und Würziges. Seit 2014, das Jahr in dem sich mein Duftgeschmack vollständig geändert hat, mag ich erdige und würzige Düfte. Vorher habe ich eher zu sehr blumigen Düften gegriffen.
Sonst hätte ich gerne „Royal Muska“ von Micallef, „Artemisia“ von Penhaligon’s, aus der Imperial Parfumes „Francois Charles“ Rancé. Letzterer ist eigentlich ein Herrenduft, aber er bringt mich zum schmelzen – ich muss ihn selbst tragen! Als ich „Royal Muska“ das erste mal gerochen habe, bin ich zwei Stunden lächelnd mit der Nase am Handgelenk durch die Welt gewandert – der Duft hat mich von den Socken gehauen … und genau das macht mich glücklich; Düfte zu finden, die mich so beeindrucken.

Mode und Duft – wo siehst du Bezugspunkte?
Ein Duft kann einen Look komplettieren: Ein schönes Outfit mit einer angenehme Silage (Das ist die berühmte „Duftwolke“.), kann den Auftritt perfekt machen. Man sollte jedoch beachten, dass einige Düfte sehr intensiv sind, sodass es wichtig ist die richtige Dosierung zu finden. Zu viel des Guten, kann einen gegenteiligen Effekt haben. Andererseits kann ein Duft ein und denselben Look unterschiedlich wirken lassen: Ein leichtes Sommerkleid kombiniert mit einem frischen blumigen Duft strahlt Unbeschwertheit aus – das gleiche Kleid mit einem verführerischen Duft kann anziehend wirken.

Was siehst du für aktuelle Trends im Bereich der Düfte?
Nischendüfte! Immer mehr Menschen suchen nach Nischenduften – dem besonderen Duft, dem individuellen Duft. Gerne darf es dann etwas teurer sein. Düfte, die man länger tragen kann – keine Modeerscheinungen sind – liegen für mich absolut im Trend. Bei den Duftnuancen sehen ich eine Entwicklung hin zu den würzigen und umschmeichelnd Düften.

Gibt es einen Klassiker, den du empfehlen kannst zum Verschenken bzw. drei Düfte für drei unterschiedliche Typen?
Das ist schwer. Duft ist eine persönliche Sache und sollte in der persönlichen Beratung vermittelt und ausgesucht werden. Aus meiner Sicht gibt es keinen Klassiker, der für alle und jeden passt. Einen einfachen aber wichtigen Tipp kann ich jedem Suchenden geben: Trage den Duft unbedingt auf die Haut auf und gib ihm Zeit sich zu entwickeln. Es ist schade, wenn man man erst zu hause beim Auftragen merkt, dass der Duft in Verbindung mit der eigenen Haut ganz anderes als gewünscht riecht.

PHOTOS by myself

Habt einen schönen Valentinstag – wie auch immer ihr in verbringt.
Bis bald.
advance your style
xoxo Hella

P.S.: Auf Anfrage könnt ihr Silke für eine Duftberatung in Berlin buchen!

Monday's Makeup: benecos*
Cocktail Hour

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Kommentare (1)

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    Andrea

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    Frau Toni mag ich echt gerne, ich habe auch noch einen Linde Berlin Duft daheim :)

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